I. Das Orchester und sein Selbstverständnis




Die Wiener Strauss-Solisten sehen sich in der Nachfolge jenes Urensembles, an dessen Spitze Johann Strauss-Sohn im Oktober 1844 im Hietzinger Casino Dommayer erstmals an die Öffentlichkeit trat. Wie das legendäre Strauss- Ensemble, setzen sich auch die Wiener Strauss-Solisten zum Großteil aus Musikern des Wiener Staatsopernorchesters - damals "Hofopernorchester" genannt - zusammen.



unsere ständige Wirkungsstätte - die Wiener Staatsoper

mit "goldenem Wiener Klang" - unser Stamm - Orchester im Wiener Musikverein



Durch diese Zusammensetzung wird es nun möglich, dem speziellen "Wiener Ton", welcher den Werken von Strauss innewohnt, voll gerecht zu werden und diesen mit jenem besonderen "philharmonischen" Klang wiederzugeben, der schon im 19. Jahrhundert das Charakteristikuni des damaligen Hofopernorchesters war und welcher vom Publikum so sehr geschätzt wurde und auch heute noch geschätzt wird.

Diese speziell Wiener Zusammensetzung der Wiener Strauss-Solisten ist aber nicht die einzige Brücke zum Dommayer'schen Ensemble: Neben der solistischen 12-Mann-Originalbesetzung (Stehgeige, Erste Geige, Zweite Geige, Viola, Cello, Bass, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, zwei Hörner) ist es auch die Begeisterung, welche damals wie heute den Esprit Strauß'scher Musik auf das Publikum überspringen läßt. Diese besondere Motivation des Musizierens resultierte zum großen Anteil aus der Emanzipationsbestrebung des jungen Strauss, der sich von seinem Vater abnabeln wollte. Auch die Wiener Strauss- Solisten sehen sich am Beginn eines eigenen Weges, der sie aus dem sicheren Rahmen ihres etablierten großen Orchesters weg, hin zu einem intimeren und kammer- musikalischen Verständnis dieser Musik führen soll.

Erklärtes Ziel des neuen Orchesters ist es, die speziell Wiener Musiktradition des 19. Jahrhunderts in höchster Qualität weiterzuführen. Obwohl sich die Wiener Strauss- Solisten ihrem Namensgeber verpflichtet fühlen und sich auf diesen berufen, beschränkt sich ihr Repertoire jedoch in keiner Weise allein auf Werke der Strauss-Dynastie. Vielmehr sollen auch alle jene Zeitgenossen zur Aufführung gelangen, welche mit Strauss das Goldene Zeitalter der Operetten - und Walzermusik gestaltet haben, wie Joseph Lanner, Carl Michael Ziehrer, Carl Millöcker, Carl Zeller und viele andere. Daneben sollen aber auch - die Tradition des Strauß'schen Orchesters sowie kleiner Kaffeehauskapellen wiederaufgreifend - Opern und Opernteile wie Ouvertüren Berücksichtigung finden und Komponisten von Rossini bis Wagner zum Zug kommen.