Linzer Geiger und Weana Tanz

Der soziale Aufstieg von "Bierhäuslern" zu Musikern
Der Formenreichtum der Musik ist nicht zuletzt auch auf die ständige Wechselwirkung zwischen ländlichen und urbanen Entwicklungen zurückführen. Am Beispiel der "Linzer Geiger" lässt sich dieses Phänomen der Integration und Adaptierung musikalischer Erscheinungen besonders gut dokumentieren. Es handelte sich dabei um Musiker aus Linz, welche ab ca. 1820, dem Verlauf der Donau folgend, auf dem Schiffsweg bis nach Wien kamen.

Diese Musiker waren nach ihrer Ankunft in Wien zunächst vor allem in den Gastwirtschaften und Bierhäusern an der Donau zu finden. Sie spielten in Dreier- oder Vierergruppen in der Besetzung von zwei oder drei Violinen und einer Bassgeige ("Bassettl"). Diese Zusammenstellung wurde von den in Wien ansässigen Musikern übernommen und in weiterer Folge durch verschiedene Instrumente erweitert. Die Domäne der Linzer Geiger war der "Linzer Tanz", ursprünglich ein Ländler aus Oberösterreich im ¾ Takt. Diese Bezeichnung wurde ab den 1830er Jahren unabhängig von der Herkunft der Musiker zu einem Gattungsbegriff. Fanden die ersten Auftritte von "Linzer Geigern" vorwiegend in einfachen Hafengaststätten an der Donau statt, so gelang es den Musikern bald ein breiteres Publikum zu begeistern.

Mit dem sozialen Aufstieg wurde der "Linzer Tanz" zunehmend zu einem konzertant aufgeführten Stück. Ein Indiz für diesen gesellschaftlichen Aufstieg ist in der Übernahme der Linzer Besetzung durch Josef Lanner zu sehen. Johann Strauss Vater, der jahrelang eng mit Lanner zusammengearbeitet hat, wuchs in der Wiener Vorstadt Leopoldstadt auf; Im ständigen Kontakt mit diesem Œvre komponierte er auch selbst Linzer Tänze, die bald zu "Weana Tanz" wurden. Die "Linzer Geiger" gelten als eine der wesentlichen Wurzeln der für Wien so typischen und weltweit populär gewordenen "Schrammelmusik".